Fremdbetreuung, oh mein Mamaherz

Fremdbetreuung, mein Mamaherz

Ja ein großer Titel! Wobei ich es hier nun gar nicht so sehr beleuchten mag, denn zu dem Thema gibt es  100 Meinungen und genau so viele Artikel denke ich. Ich möchte euch heute lieber meine Art mit dem Umgang der Fremdbetreuung, sowie eine Situation beschreiben in die ich heute Morgen hineingeraten bin und die mich zum Nachdenken gebracht hat!
Ich verabschiede Nael bei seiner Tagesmutter sein Herz ist schwer, das sehe ich, beuge mich noch mal runter nehme ihn fest in den Arm und sage ihm das ich den ganzen Tag im Gedanken bei ihm bin, ich nun für einige Stunden arbeiten werde, während er im Wald schöne Dinge entdecken wird und wenn ich ihn abhole fahren wir zwei ganz schnell nach Hause kuscheln ganz viel und backen gemeinsam mit seiner Schwester Waffeln. Er nickt, gibt mir einen Kuss und stapft in den Wald!
Auf dem nach Hauseweg überlege ich mir mit schwerem Herzen “Habe ich nun mein Kind erpresst? Mit der Aussicht auf Waffeln und kuscheln am Nachmittag? Ist es richtig das ich ihn bei der Tagesmutter abgebe und das “nur” um arbeiten zu können, sollte ich nicht vielleicht auf den einen oder anderen Luxus in unserem Leben verzichten zum Wohle des Kindes bzw. der Kinder und sie einfach so lange wie möglich zu Hause betreuen? Fange ich jetzt auch noch an das kleine Kind zu erpressen nur damit ich ohne große Schreierei nach Hause fahren kann?! Fragen über Fragen aber im tiefen Inneren meines Herzens weiß ich das ich anscheinend auf dem Weg nach Hause mit der frischen Luft die mir um die Ohren bläst einfach zu viel Zeit habe! Zu viel Zeit um mir über Dinge Gedanken zu machen die total Quatsch sind.

Denn:

Ich sage ja nicht:   nur wenn du lieb da bleibst, gibt es Waffeln.
ich sage:    viel Spaß im Wald und heute Nachmittag machen wir was tolles!

Es ist eben manchmal der Wortlaut und die Satzstellung, die die Musik macht! Für mich in diesem Fall keine Art der Erpressung! Wenn ich jedoch weiss das es meinem Kind gut oder sogar besser geht, wenn noch in Form eines gesprochenen Wortes von mir hört das wir gemeinsam am Nachmittag etwas schönes machen, ich also zu 100% für ihn da bin, denn zu dem Zeitpunkt ist meine Arbeit getan, ich kann mich voll und ganz auf die Kinder konzentrieren, dann ist doch alles gut! Mein Sohn weiss das ich am Nachmittag wieder komme um ihn abzuholen. Er ist ein Kind mit einer sehr gefestigten Bindung, er ist aber auch ein totales Familientierchen und so fällt es ihm immer schwer, wenn ein Mitglied aus seinem Rudel fehlt!
Er weint wenn sein Papa morgens das Haus verlässt, manchmal auch wenn seine Schwester zu Schule fährt und eben auch wenn ich gehe. Sein Herz ist  in solchen Momenten schwer, denn das ihm immer sehr zugewandte Umfeld seiner Liebsten möchte er immer ganz dicht bei sich haben. Verständlich! Ich möchte das auch am Liebsten!
Aber er ist mit seinen 2,5 Jahren eben auch durchaus in der Lage sich in andere Situation und ein anderes Umfeld einzugewöhnen. Wir bzw. ich habe eine wirklich sehr sehr lange  Eingewöhnung (4 Monate) mit ihm gemacht (Das nenne ich mal Bedürfnisorientiert !!! andere mögen es komplette bescheuert finden oder aber mich als Übermutter betiteln).

Ich habe mir die Zeit bewusst genommen um meinen Sohn langsam und Stück für Stück in der neuen Welt der Tagesmutter ankommen zu lassen und das immer mit dem rettenden Anker (also mir im Hintergrund).

Das ist mein Weg gewesen und ich hatte glücklicherweise die Freiheit mir diese Zeit zu nehmen. Mir ist völlig klar das es nicht in jeder Familie möglich ist. Aber ich denke, wenn wir arbeitenden Mamas es irgendwie schaffen unsere Kindern langsam einzugewöhnen und in der Zeit nach dem Kindergarten und am Wochenende mit all unserer Aufmerksamkeit und Liebe entgegen treten, werden sich diese Kinder nicht besser oder schlechter entwickeln wie die, die zu Hause bleiben dürfen.
Wir müssen alle unseren eigenen guten Weg finden mit diesen Situationen umzugehen, es macht in meinen Augen einfach gar keinen Sinn auf die eine oder andere Gruppe mit erhobenen Zeigefinger zu reagieren. Ich habe mit viel bedacht und schlaflosen Nächten eine Tagesmutter ausgesucht, das für und wieder in meinem Kopf abgewogen. Ich weiß das es meinem Sohn in den Stunden ohne mich auch sehr gut geht, er kann den ganzen Vormittag den Wald mit all seinen Schönheiten entdecken. Und ich kann in Ruhe arbeiten! Er könnte auch bei mir sein, aber ich würde natürlich trotzdem Arbeiten also am Computer oder im Atelier sein, er würde nebenherlaufen. Ich würde vielleicht eine Stunde mit ihm draußen Zeit verbringen, mich dann aber wieder meiner Arbeit zuwenden, für mich ist das nicht der richtige Weg!
Für mich gilt entweder  ganz  oder  gar  nicht!  Bei allem was ich tue, wäre Nael immer zu Hause wäre ich am Ende des Tages total unausgeglichen, denn ich hätte weder das eine noch das andere so zu Ende gebracht wie es mir wünschen würde. Schon so ist mein Mama, Workingmum und Rebecca Dasein  ein unglaublicher Spagat. Aber ich habe in den letzten Jahren gelernt  sehr effizient zu arbeiten und mir auch Dinge zu überlegen die ich mit den Kindern mache, die wenig Aufwand benötigen aber eine mit Sicherheit schöne Kindheitserinnerung mit sich bringen.
Mit kleinstem Aufwand größtmögliches erreichen.

*Gemeinsam einen Kuchen oder Kekse backen beispielsweise!

*Oder Kaiserschmarrn am Nachmittag als Fussboden Picknick

*oder mal schnell Kastanienmänchen basteln.

Ich schreibe das gerade alles um mal ein wenig den Druck rauszunehmen für all uns “schlechten Mütter“ die aus finanziellen oder auch berechtigt sagen wir mal egoistischen Gründen ihre Kinder fremdbetreuen lassen. Ich verstehe total das auch es Frauen gibt die neben dem Mama sein auch eine Karriere haben möchten, es gibt Familien in denen ist finanziell einfach nicht möglich das nur der Mann arbeitet und es gibt natürlich die Gruppe der Alleinerziehenden, die arbeiten müssen.
Aber auch wenn wir arbeiten müssen oder wollen ist es durchaus möglich ein Kind in einen Bedürfnis orientiertem zugewandtem Umfeld aufwachsen  zu lassen. Denn das Kind hat das Bedürfnis bei Mama und Papa zu sein, zu lernen, zu spiegeln und zu Sein! Ich denke es ist völlig egal in wie vielen Stunden am Tag ein Kind diese Zeit mit Eltern verbringt. Wichtig ist nur das diese Zeit und sei es nur eine intensive Stunde am Tag eine dem Kind zugewandte Qualitätszeit ist! Ich denke nicht das durch eine zu frühe Fremdbetreuung die Bindung zu meinem Kind leidet, ich denke jedoch das dies nicht besonders gut ist , nur kann sich eben nicht jede Familie die Welt so erschaffen wie es ihr gefällt, manche Dinge wie das Arbeiten für das täglich Brot ist nun mal notwendig!
Viele Verfechter der Kindergartenfreien Erziehung werden mir nun wahrscheinlich aufs Dach steigen, aber  es war mir gerade ein BEDÜRFNIS mal meine Sicht zu dem Thema zu schreiben, denn ich mag es einfach nicht das zur Zeit gerade im Social Media so viel aufeinander rumgehackt wird und immer nur die eine Art der Erziehung  richtig zu sein scheint. Ich habe einen Mittelweg gewählt ich mache es aus dem Bauch heraus und zwar so wie es zu unserem Leben passt, denn jede Lebenssituation und jedes Kind ist anders!
Unsere Tochter war bis zu ihrem 3. Lebensjahr zu Hause, das ging gut da ihr Papa und ich uns bedingt durch unsere sehr freien künstlerischen Berufe die Zeit gut aufteilen konnten. Bei unserem Sohn (anderer Vater) sieht es nun ganz anders aus. Es gibt ein sehr geregeltes Berufsleben somit bin ich in meiner Arbeitsgestaltung nicht mehr so frei, also leben wir jetzt ein anderes für uns passendes Modell. Und ich muss euch sagen beide haben ihr für und wieder, aber am Ende des Tages habe ich zwei ganz wundervolle glückliche Kinder, denn das einzige was zählt ist die Liebe die ich Ihnen entgegenbringe und vermittle.
In jedem Modell gleich viel, denn am Ende sind wir es, die unser Leben leben und auch entscheiden in welcher Art!

Jede Mutter, jeder Vater! Alle Eltern sind eben in ihrer Lebenssituation in der sie stecken die besten Eltern die sein können!

Wir haben uns alle für unsere Kinder entschieden und ich bin mir sicher das wir alle wie auch immer wir es tun nur das allerbeste möchten.
In diesem Sinne alles liebe und seit lieb zueinander,
Rebecca

10 Kommentare

  1. Liebe Rebecca,
    am Ziel sind wir doch eigentlich erst wenn es keiner Posts und Rechtfertigungen mehr bedarf ob und ab wann ein Kind ‘fremdbetreut’ wird und eine Ganztagsbetreuung ab Säuglingsalter genauso selbstverständlich ist wie ein komplett Krippe- und Kindergarten-freies Aufwachsen. Jede Familie wählt aus welchen Gründen auch immer den für sie passenden Weg. Ganz einfach. Allerdings scheint es doch noch ein sehr weiter Weg zu sein und auch ich wünsche mir statt all der Polarisierungen mehr Gelassenheit und vor allem Selbstverständlichkeit.

    Morgen backen wir übrigens Deine Martinsgänse und ich freue mich schon auf lecker duftende Kekse :)

    Alles Liebe
    Britta

  2. …so schön ehrlich, Rebecca…auf sich hören, seinem Bauchgefühl vertrauen – auf das kommt es darauf an!! Was andere denken oder sagen gehört zu ihnen!
    Sich selber immer treu bleiben!

  3. danke für diesen Blogpost, hat mich sehr berührt. Meine Tochter ist 20 Monate alt und ich hab mich noch nicht getraut sie einer “fremden” Person zu überlassen. Das hätte ich gar nicht gedacht früher, dass einem das so schwer fallen kann. Mal sehen wie sich das noch entwickelt bei uns, aber spätestens mit 3 wird sie in den Kindergarten gehen. Derzeit sind wir einmal in der Woche in einer Waldorf-Spielgruppe, wo die Mamas/Papas am Rand sitzen und einfach nur beobachten :) LG aus Wien

  4. Nane Glissmann

    Hallo Rebecca…sehr sehr liebevoll geschrieben…das einzige was mir jetzt noch gefehlt hat war das unsere Kinder auch in der “Fremdvetreuung”Dinge lernen und erfahren die sie weiterbringen.Mein Sohn war in der Tagespflege bei einer wunderbaren Familie und hat da ganz viel mitbekommen was ich ihm als Alleinerziehende Mama garnicht hätte geben können! Und er hat absulut davon profitiert …und ich auch! Alles Liebe und einen schönen Tag Grüßle Nane

  5. Liebe Rebecca,
    ich bin eine Mama, die bewusst nicht arbeitet, wir haben eine Tochter und aus gesundheitlichen Gründen darf ich leider keine weiteren Kinder bekommen und ich möchte die Zeit mit ihr genießen (sie werden so schnell groß!). Sie ist schon in der zweiten Klasse und ich muss mir oft dumme Kommentare anhören, warum ich denn nicht endlich wieder arbeite, zumindest vormittags. Ich überhöre das einfach. Es ist unsere Entscheidung und wir leben sehr gut damit. In meinem Umfeld arbeiten alle Mütter und das finde ich genauso okay. Aber für uns passt es eben anders besser.

    Aber es bringt natürlich auch kleine Nachteile mit sich, meine Tochter ist sehr trennungsänglich, vielleicht auch dadurch bedingt, dass sie es eben nicht gewohnt ist, von “Fremden” betreut zu werden. Die Kindergartenzeit war wirklich schwierig, jeden Morgen gab es Tränen. Aber auch das haben wir geschafft und ich weiß, dass sie eben mehr Mama und Papa braucht als vielleicht andere Kinder. Aber auch die Trennungsangst wird zunehmend weniger, Zeit, Geduld und Liebe ist gefragt.

    Das nur mal aus der Sicht einer Vollzeit-Mama – es hat sicher alles Vor- und Nachteile.
    Ganz liebe Grüße und danke für Deine ehrlichen Worte,
    Sabrina

  6. Liebe Rebecca,
    Ein ganz wunderbar geschriebener Herzenstext. Danke!
    Wir machen es so ungefähr wie du und es fühlt sich für uns gut an. Auch ich habe uns die Zeit der langsamen,sehr langsamen Eingewöhnung in der Kita gegönnt und halte das langsame Eingewöhnek für so wertvoll.
    Dein Artikel hat mich nochmal dafür sensibilisiert den Nachmittag mit den Kindern bewusster zu genießen und gestalten. Stichwort Handy weg und so…ich werd mich gleich nochmal von deinem Blog ein bisschen inspierieren lassen.

  7. Stefanie Schiestl

    Liebe Rebecca,
    bei uns ist es genau anders rum!! Ich hab zwei Töchter mit 3 Jahren und 1 Jahr…und ich bin Zuhause!! Ich bin selbstständig und arbeite von Zuhause aus…leider ist es bei mir oft so das ich genervt bin, weil ich einfach mal kurz was im Büro machen möchte und nicht bei de Kids dabei auf dem Schoß brauche kann!! Ich würde so dringend Kinderfreie Zeit benötigen und da diese nicht drin ist …bin ich genervt, gestresst und oft unausgeglichen! Das ist doch auch nicht die Lösung!!
    Aber ich kann doch meine kleine Maus nicht abgeben…sie ist doch noch sooo klein!! Ach es ist schon eine schwere Entscheidung!! Noch 2 Jahre dann geht’s in Kindergarten :-)
    Danke für deinen Text…

  8. Mein Sohn ist 17 Monate und ich bin noch zu Hause. Wenn er schläft, arbeite ich. Wir hatten eine Tagesmutter versucht, sind aber gescheitert. Nun haben wir uns für ein Au Pair entschieden, weil ich zwischendurch einfach mal kinderfreie Zeit brauche, um eine ausgeglichene Mutter zu bleiben. Mal sehen, wie das wird.
    Ich denke auch, dass jede Familie für sich entscheiden muss, was am besten passt.
    Dein Beitrag klingt für mich allerdings etwas zu sehr nach Verteidigung und somit so, als müsstest du dich vor dir selbst rechtfertigen. Kann es sein, dass das vielleicht doch nicht die perfekte Lösung für dich ist und du daran zweifelst?
    Lieben Gruß, Susanne

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